Wozu ein Mont Blanc alles gut ist
Es war 11 Uhr 15 Minuten, als sich der junge und erfolgsstrebende Großkonzernmanager William auf den Weg in die Versammlung machte. Er würde wohl einige Sekunden nach dem vereinbarten Termin dort eintreffen, aber genau dies war auch seine Absicht. Er hatte es sich angewöhnt immer erst sein Büro zu verlassen, als die Zeit Punkt zum Termin rief; so wäre er nicht derjenige, der schon da Sitzenden und auch nicht der Letzte, denn die CEO’s kamen auch immer etwas zu spät; zwar niemals so spät, dass es unhöflich wäre, aber auch nie so früh, dass sie schon dort sitzen würden, mit ihren Untergebenen -es könnte ja zu persönlich werden. Die CEO’s kommen immer mit den Gästen. Bei Auslandspartnern, Geschäftsleuten, Geschäftsleute die aus dem Ausland kamen, wenn Präsentationen Gästen vorgeführt wurden, kamen diese immer mit den CEO’s, denn diese begrüßten ihre Gäste immer, wie es bei Geschäften nun mal so gang & gebe ist, persönlich. Aber ich schweife zu sehr ab. Als William, dieser energische Manager, der gerne auch mal CEO sein wollte, zum Meeting ging und den Raum betrat, flog ihm ein grimmiger Blick von Wilson entgegen, der mit großer Geste symbolisch auf seine Uhr sah. Wilsons Uhr ging immer etwas vor, er war halt so gepolt immer vorpünktlich zu sein, und verglich noch die Uhrzeit mit der Wanduhr – die heute bei jedem Arbeitgeber, in jedem Zimmer hängen, und wenn es nicht auffiele, vermutlich auch an allen 4 Wänden. Es war Wilson ein Druck William zu maßregeln und da die Verspätung nicht frappierend war, kam nichts anderes raus als: Immer auf den letzten Drücker William. William konterte geschickt, denn das konnte er gut, kontern, Ich bin auch beschäftigter als sie es sind Wilson. Eine Tatsache, die sich nicht der Tatsächlichkeit erfreute, aber kaum ausgesprochen, durchs Vernehmen, ein Wahrheitsgehalt erhielt. Ein Punkt für William, welches er Wilson durch sein markiges Lächeln fühlen ließ. William wollte sich an seinen Platz begeben und war kaum ein wenig Schritte in dessen Richtung gegangen, als sich die Tür wieder öffnete und die CEO’s mit Gästen eintraten – Kunden wurden im Hause immer Gäste genannt, wie im Ausschank die Trinker ebenfalls Gäste und nicht Bolde genannt wurden-, als William auf dem Absatz kehrt machte um die Hände der Erlauchtesten zu schütteln. Immer auf dem Sprung William, das lob ich mir, sagte einer der beiden CEO’s Harrison. Und sie begrüße ich ebenfalls im Hause Harrison, Gambler & Smart, sagte William mit einem Lächeln welches Butter zum schmelzen brachte. Es waren zwei Asiaten von einem neuen chinesischen Großkonzern Huan Exports and Imports… William schüttelte fleißig Hände und Wilson, der es jetzt natürlich unterlassen hatte auf die Uhr zu sehen, stand auf um es ihm gleichzutun, nur ließ sein Grimm und Argwohn William gegenüber, sein Lächeln aussehen wie eine erstarrte Wachsfigur von Madame Tussaud. William wertete die Treffen mit Willson immer nach Punkten, weil beide Kandidaten für die nächste Beförderung waren, wie bei einem Tennis-Match, bei dem er durch seine Zügellosigkeit immer führte. Er hatte bereits zwei Punkte gesammelt, nach dem er die Begrüßung Wilsons und dessen Uhrtick als zwei Minuspunkte aufführte, bzw. zwei Pluspunkte für ihn. Er nahm Platz nachdem er die Stühle der Gäste zurechtgerückt hatte und war sich wieder eines Punktes sicher, da es den Gästen, so geschickt war William, ins Auge gefallen war. Nun konnte gleich die Präsentation losgehen. Es ging um einen Multimillionenauftrag und um die Beförderung zum Partner, wessen Präsentation überzeugen konnte. Es war William gegen Wilson im Centercourt und die Asiaten waren die Linienrichter, die jeden Ball kritisch werteten. William hatte den Aufschlag und präsentierte sein Vorschlag für die Geschäfsbeziehungen zwischen Harrison, Gamble & Smart und dem Hause Huan. William legte vor mit einem freundlichen Ni hao und legte sich ins Zeug, blätterte hin und zurück in der Präsentation um sich ausführlichst zu erklären, dass die Geschäfsbeziehungen von beiderseitigen Vorteil wäre; legte Bilanzen und Statistiken vor und überließ es der Fantasie der Geschäftspartner, sich diese rosige Zukunft auszumalen, welches wohl ein wesentliches Ding von Managern sein musste, sich etwas ungesehenes auszumalen und als lukrativ zu bewerten, wenn sie es letztendlich auch ausführen wollten. William nahm Platz nachdem er noch dreimal aufgestanden war um den Applaus für sein Konzept, welches er natürlich im Team erarbeitet hatte, entgegenzunehmen und die Wirkung zu genießen. Geschickt wie er war, wusste er, er würde ebenfalls Punkten, wenn er nun Wilson einleiten würde, also sagte er mit einem Lächeln, welches vor Müdigkeit strahlte, als sei der Sex mit der Frau weniger als befriedigend verlaufen, Nun sehen wir und die Präsentation von Wilson an, falls sie zu meinem keine weiteren Fragen haben. Sie hatten keine weiteren Fragen, seine Arbeit war mehr als ausführlich gewesen. William nahm Platz und wartete auf den Moment da ihn Wilson ansah, um auf die Uhr zu sehen. Es war eine rein psychologische Geste, die, wie nicht anders zu erwarten, punktete. Wilson lockerte seine Krawatte, die er speziell zu diesem Anlass gekauft hatte. Es ging ja um die Beförderung. Da konnte eine neue Krawatte schon dienlich sein. Wilson war nervös und fing die Einleitung mit einem herzlich willkommen Gentlemen im Hause Harrison, Gamble & Smart – eine Einleitung die halb so geschickt wirkte wie das kurze Ni hao Williams. Die Gäste tuschelten untereinander und warfen Wilson kritische Blicke zu, welches Wilson nicht half seine Nervösität abzubauen, im Gegenteil. William warf wieder ein Blick auf die Uhr, aber nicht weil ihn die Zeit interessierte. Wilson wollte gerade einen Stapel Bögen umgehen lassen – Wilson hatte noch die Schule, dass alles in Händen etwas formaler und griffiger würde, da es gehalten wurde, als ihm der Stapel Zettel, die er eigens mit Namen versehen hatte um Eindruck zu schinden, aus der Hand fiel und sich auf dem Boden verteilte wie eine Grob-papier-konfetti-Party. Wilson beugte sich vor um die Blätter aufzuheben und CEO Harrison fing eine Unterhaltung mit den chinesischen Großkunden an, um die Zeit von Wilsons blamablen Auftrittsakt zerfliessen zu lassen. Wilson wurde noch nervöser und William fing an mit seinem goldenen Mont Blanc zu spielen. Erst ließ er ihn durch die Finger gleiten wie ein fünf Markstück, und hatte der Schreiber erst die Reise zum kleinen und Ringfinger gemacht und war zum Zeigefinger und Daumen zurückgekehrt, klickte William zweimal die Miene, einmal raus und wieder rein. Es fiel niemanden ein den am Boden kriechenden Wilson auch nur zur Hilfe zu eilen, um ihn aus seiner Situation zu erlösen. Wilson hatte den Stapel bereit, erhob sich und legte den Stapel auf dem Tisch. Kommen wir zur Präsentation, sagte Wilson, sichtlich nervös mit seiner Krawatte spielend, die er ausnahmsweise, zur Wichtigkeit des Anlasses, mit seinem Anzug abgestimmt hatte und nicht ein buntes Durcheinander von Figuren oder Linien war. Was ist mit den Unterlagen, fragte William und konnte sein hämisches Grinsen nicht verbergen. Zu den kommen wir später, jetzt erst die Präsentation, sagte Wilson mit Blick auf den in den Fingern Williams rotierenden Schreiber. William klickte und schickte den Schreiber wieder auf Reisen. Wilson versuchte sich zu konzentrieren und fing an mit stotternden Worten die Einleitung zu seiner Präsentation zu suchen. Er hatte sie Nächte lang einstudiert und selbst an Witz und Anekdoten hatte er es nicht fehlen lassen, doch nun war sein Gehirn leer wie ein jungfräuliches Blatt Papier. Und wieder war die Reise des Kugelschreibers zwischen Williams Fingern durch ein Klicken beendet und wieder eingeleitet worden. Wilson warf William einen grimmigen Blick zu,der einen Wald hätte in Brand setzen können, wenn William ihn nicht geschickt ignoriert hätte und sich weiterhin nur auf das Spiel mit seinen Mont Blanc konzentriert hätte. Wilson rang nach Luft und lockerte seine Krawatte weiter, so dass diese fast den Dienst einer Krawatte entbehrte. Er stockte und versuchte bemüht den Faden aufzugreifen, den das Klicken des Schreibers ständig störte und somit verhinderte. Als Wilson einen Witz, den er für seine Präsentation passend fand, machte und die Lacher, es war der unpassendste Moment für diesen Witz, ausblieben, fuhr Wilson aus der Haut und brüllte unbeherscht, William legen sie endlich den Stift beiseite. Der CEO Harrison, schockiert über den Gefühlsausbruch – den bei Geschäften waren Gefühle zweitrangig, denn diese konnte man nicht verkaufen, es sei den man arbeitete im horizontalen Gewerbe-, rief Wilson zur Ordnung, mit den Worten, Wilson beruhigen sie sich Mann, bleiben sie bei ihrer Präsentation, wir warten. Wilson war nun vollends aufgelöst und wünschte sich ein Bett mit einer dicken Decke herbei, in dem er sich wohl gern verborgen hätte. Es half nichts, er musste seinen Mann stehen und nun die Kurve kriegen, wenn seine Präsentation auch nur einen Eindruck hinterlassen sollte. William fühlte sich pudelwohl Wilson so aus dem Konzept gebracht zu haben und rechnete die Punkte für dieses Duell aus. Sollte er bei zehn liegen und Wilson unter vier, so hätte er die Beförderung sicher in der Tasche; so sicher wie Großstädte auch Bettler hervorbringen. Um Wilson weiter aus dem Konzept zu bringen nahm er gelassen seinen Kaffee und schlürfte so laut aus dem Becher, das es wohl selbst im Nebengebäude gehört worden wäre, wäre der Straßenlärm nicht so groß. Wilson sah seine Felle davonschwimmen und fand keinen anderen Gedanken, der den Hass auf William hätte zum Schweigen bringen können. Er bemerkte das der CEO Harrison sichtlich enttäuscht war von ihm; hatte er nicht zuvorderst die Präsentation, die er gut vorbereitet hatte und jetzt nicht anlaufen wollte, wie ein Rennpferd auf das jeder setzt und welches dann aus Langeweile in der Box stehenbleibt, nicht so sehr hoch angekündigt. Es vergingen die Sekunden, die zu Minuten anwuchsen, welche Wilson wie Jahre nagen fühlte und er nicht wusste wo er beginnen sollte. Die chinesischen Gäste zeigten ihre Ungeduld, indem sie anfingen auf Mandarin sich über die Präsentation von William zu unterhalten. Ich verteile jetzt die Prospekte und dann werden sie sehen, wo meine Punkte ansetzen, gelang es Wilson zu sagen und somit zog er die Aufmerksamkeit wieder auf sich. Er ging um den Tisch und versuchte den Stapel, der soeben noch den Boden verziert hatte, so gut wie möglich geordnet zu verteilen. Warum nicht gleich so Wilson, grinste William dem nervösen und sichtlich aus dem Konzept geratenen Widersacher entgegen. Harrison versuchte im Gespräch mit den Gästen , ihren Eindruck über Williams Konzept zu erfragen. Es blieb beiden Kontrahenten nicht verborgen, dass Harrison wohl eindeutig mit Williams Präsentation schon sein Favoriten gefunden hatte, der Ungeschicktheit Wilsons sei Dank. Als Wilson die Dokumente, so gut es ging, verteilt hatte wollte er einen neuen Start wagen. William nahm den Kugelschreiber wieder in die Hand und begann sein Spiel von neuem. Kugelschreiber klick, Wanderung zum kleinen und Ringfinger und zurück zum Zeigefinger und Daumen, klick. Wie sie sehen besteht mein Vorschlag für die Partnerschaft zwischen dem Hause Huan und dem Hause Harrison, Gambler & Smart in folgenden Punkten, sagte Wilson mit Blick auf William, als ob ihm die Präsentation gegolten hätte. Klick. Ich sehe eine sehr versprechende Zukunft, wenn sich unsere Häuser zusammenschließen und eine Geschäftsbeziehung eingehen (Kugelschreiber: klick), dass zu beiderseitigen Befriedigung führen könnte. Das Modell beruft sich auf den North Pacific Trading Act ( Kugelschreiber: klick) der es erlaubt – die Stimme Wilsons wurde mit jedem Kugelschreiberklicken etwas lauter und gereizter-, die neuen Gesetzte vom Handelsgericht von 2004, welche die (Kugelschreiber: klick) Vereinfachung der Handelsbeziehungen zu ermöglichen. Wilson starrte die ganze Zeit William an und in ihm fing es an zu kochen, als ob jedes klicken die Temperatur erhöhte die das Wasser zum sieden brachte. William ließen die Blicke seines Widersachers so kalt, wie einen Löwen wohl das knurrren eines angeleinten Hundes. Die Gäste fühlten sich nicht angesprochen, da sie auch nicht angesehen wurden und William grinste nur hämisch, während sein Mont Blanc sein Spiel fortsetzte. Als Harrison bemerkte, dass Wilson nicht mal die erhobene Hand des chinesischen Gastes bemerkte versuchte er die Aufmerksamkeit Wilsons wieder auf die Spur zu bringen, indem er sagte, Ich glaube wir haben hier eine Zwischenfrage Wilson. Der Kugelschreiber klickte. Was darf ich ihnen beantworten, kamen die Worte mit einem verbissenen Ton. Der chinesische Gast wand was ein, welches Wilsons Aufmerksamkeit entging; er hörte nur das Klicken des Kugelschreibers. Ähm, wie bitte, fragte Wilson indem er versuchte die Fassung zu wahren. Klick Klick. Und wieder ging die Frage im Zorne Wilsons auf Williams klicken unter. Wie war die Frage nochmal, setzte Wilson ein. Jetzt reißen sie sich doch zusammen, sagte der CEO Harrison in einem energischen Ton, der nicht im geringsten ahnte, was gerade in seinem Topangestellten vorging. William sah seine Chance gekommen um Wilson ins lächerliche zu ziehen und sagte, manchmal kriegt der alte Wilson nicht alles mit. Grins und klick. Auf einem mal sprang Wilson in Rage auf William zu, entriß ihm den Schreiber, und unter dem Aufschrei von Harrisons Sekretärin grub sich der Mont Blanc in den Hals von William. Er hatte die Hauptschlagader getroffen. Und während William am Boden lag und das Blut pulsierend seinen Körper verließ, die Gäste unter dem Tisch Schutz suchten und Harrison rauslief um den Sicherheitsdienst zu rufen, fing Wilson an zu schluchzen und weinen: Ich hatte gesagt du sollst aufhören mit dem Schreiber zu klicken. Williams letzter Gedanke war: Den Job bist du los Wilson.
Nicc Cooling







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